T2b (Hub-) Dachzelt /-balg Wechsel ohne Dachdemontage

Vor genau 10 Jahren hatte ich bei einem Sattler den Himmel des Hubdaches erneuern lassen und in diesem Zug auch den alten Zeltstoff gereinigt. Obwohl das Dach für diese Aktion abgenommen wurde, wurde der Stoff leider nicht korrekt montiert und man sah von innen immer auf die Kunststoffleiste mit den Klammern. Auch hing der Stoff sehr locker und warf falten.

Jetzt nach 10 Jahren habe ich das selbst in die Hand genommen und den Stoff am monierten Hubdach gewechselt.

Stoffauswahl:

Man findet glücklicherweise etliche Nachproduktionen in unterschiedlicher Qualität und Preisklasse. Auch das notwendige Zubehör, wie z.B. das Flachband zur oberen Montage erhält man bei allen Händlern.
Ich hatte mich entschieden ein maisgelbes Dach mit 3 Fenstern einzubauen.

Folgende Anbieter habe ich verglichen:

1. Günzl Classic Parts: Gute Verarbeitung für ca. 380 €. Der Stoff wirkt im ersten Moment etwas dünn, aber im Vergleich zum alten sehr ähnlich. Die Seitenfenstergröße passt nach meinem empfinden optisch am Besten zum Bulli. Das eckige Fenster vorne finde ich hingegen etwas zu klein, sollte weiter nach oben öffnen. Es scheint aber dem Originalausschnitt zu entsprechen. Auch finde ich die seitlichen Klettverschlüsse des vorderen Fensters unpraktisch und beim nächtlichen Öffnen viel zu laut. Bei meinem alten Stoff waren beide, Moskitonetz und Verdunklung, mit Reissverschluss versehen. Die Moskitonetze der Seitenfenster lassen sich nicht öffnen, was ich ok finde. Die Verdunkelung wird mit 2 feineren Reissverschlüssen geöffnet, die sich hoffentlich im Dauereinsatz bewähren.

vorher – nachher

2. Bus-ok: Auch gute Verarbeitung für ca. 400 €. Von der Machart sehr ähnlich zum Günzl Stoff, jedoch sind die Fenstergruppen auf den Bildern alle etwas größer und das vordere ist oben auch abgerundet. Die Detailbilder vermitteln mir jedoch eher den Eindruck, dass sich die Größen dem vom Günzl sehr ähneln und auch das vordere Fenster seitlich mit Klettverschlüssen versehen ist. Sollte man noch mal im Detail vergleichen.

3. Kieft & Klok: Mit ca. 700 € das teuerste Dachzelt, dafür aber eine sehr gute Verarbeitung. Die Seitenfenster sind jedoch wesentlich größer, natürlich gut für mehr Luft an warmen Tagen, mir sind sie aber optisch zu gross. Das vordere Fenster hingegen hat meines Erachtens die richtige Größe und ist oben abgerundet und schwarz umrahmt. Die Verarbeitung ist sehr gut. Damit der Stoff immer schön Straff bleibt, nähen sie im hinteren Bereich Gummibänder in den Stoff, scheint eine gute Idee zu sein.
Die Farbe ist etwas kräftiger als bei den Zelten von Bus-ok und Günzl. Auch hier natürlich Geschmacksfrage, die etwas helleren Stoffe passen besser zu meinen Vorhängen und Vordach.

oben Stoff von Günzl unten Stoff von Kieft & Klok

4. NLA VW Parts: Ein Tipp aus dem Forum. Es scheint auch gut verarbeitet zu sein für ca. 390 €. Was mir gefällt sind die kleinen Seitenfenster und das abgerundete Fenster vorne. Ausserdem ist auch das vordere Fenster mit Reissverschlüssen versehen und nicht mit Klettverschlüssen.
Falls ich noch mal ein neues Zelt benötige, schaue ich mir dieses auf jeden Fall an.

Entscheidung:
Ich hatte mir schon vor ein paar Jahren das Zelt vom Günzl gekauft. Zu diesem Zeitpunkt hatte weder Bus-ok ein Dachzelt in guter Qualität (das hat sich geändert) und auch Kieft & Klok hatte noch nicht die aktuelle Version im Angebot. Von daher war meine Entscheidung damals einfach.
Da mir der Preis von Kieft & Klok zu hoch ist, würde ich bei einem Neuerwerb heute die Zelte von Bus-ok, Günzl und NLA VW vergleichen.

Nachtrag:
Wie ich hörte und auch teils in den Foren zu lesen ist, scheint es auch bei gleichen Anbietern unterschiedliche Qualitäten zu geben. Ggf. wurden Stoffe von wo anders bezogen oder die Schneiderei gewechselt. Wie auch immer, ich empfehle vor dem Kauf sich mit den Anbietern in Verbindung zu setzen und nachzufragen, oder vor Ort anzuschauen. Bei Bus-ok und auch Günzl bin ich mir sicher, dass man eine kompetente und ehrliche Auskunft erhält, so bislang meine persönliche Erfahrung.

Im IG-T2 Forum findet man weitere Diskussionen zur Dachauswahl und zum Einbau.

Zeltwechsel:

Ich habe mich entschieden, das Dach nicht abzunehmen und den Wechsel an einem Wochenende alleine und in Ruhe anzugehen.

Im Netz habe ich einige Informationen gesucht und bin auf die sehr gute Einbaubeschreibung von den Bulli-Botschaftern gestossen.

Ich beschreibe folgend des Aus- und Einbau, so wie ich es gemacht habe und wie es meines Erachtens auch sehr gut geklappt hat. Aber es gibt bestimmt auch andere Ansätze.

Ausbau des alten Dachzeltes:

  • Dach aufstellen
  • Aluleisten unten abschrauben
    Ich habe zuerst die vordere, dann hintere und dann die beiden seitlichen Schienen demontiert. Es ist sinnvoll die Einbauposition der vorderen und hinteren Leiste zu markieren.
    Tipp: Der kleine Akkubohrer von Bosch ist sehr gut geeignet in die schmalen Ecken zukommen.
  • Flachband entfernen
    Dafür habe ich zuerst die vordere Vierkantrohr demontiert und die oberen Befestigungen der Aufstelldachmechanik gelöst. Mit flachem Schraubendreher die alten Klammern lösen und mit einer Kombizange ziehen. Bei mir ging es teils so leicht, dass sie mit dem Ziehen am Band herauskamen.
  • Zelt entfernen
    Um das Zelt herauszuziehen, habe ich das Dach etwas abgelassen, die Stangen der Aufstelldachmechanik an beiden Seiten mit einem Spanngurt gesichert, die oberen Befestigungen gelöst, das Dach geöffnet und mit einer Stange fixiert und dann den Stoff nach innen gezogen.
  • Bevor ich das neue Zelt montierte, habe ich die inneren Seiten des Daches gereinigt und gestrichen und den welligen Dachhimmel neu verklebt.
Um das Dach besser oben zu halten, habe ich die verstellbaren Stangen des Vordaches genutzt, sie passten genau über die Schrauben und konnten so nicht verrutschen.

Einbau des neuen Dachzeltes:

  • Neues Zelt zuerst ausbreiten
    Dabei die Einbaurichtung beachten, die Moskitonetze müssen aussen sein. Das Zelt über die Stützstangen ziehen.
  • Das Flachband zurechtschneiden
    Die 4 Masse der Bänder habe ich anhand der alten abgemessen
  • Ich habe den Stoff zuerst am Dach befestigt und mit den hinteren Ecken begonnen.
    Dafür habe ich die hinteren Ecken des Stoffes an die Ecken des Daches gehalten und die richtige Position mit ein paar vorläufigen Klammern (Tacker) fixiert. Die untere Kante des Stoffes habe ich dann bündig mit der unteren Kante der Holzleiste, an der das Dach befestigt wird, angetackert. Dabei den Stoff anheben, so dass er beim späteren anbringen des Flachbandes darüber fällt und das Band verdeckt. Nachdem der Stoff an der hinteren Leiste angebracht war, habe ich auch hier das hintere Flachband angebracht und die vorläufigen Klammern in den Ecken wieder entfernt.
  • Dann habe ich den Stoff an den Seiten auch provisorisch fixiert und die vorderen Ecken am Dach angehalten und angetackert und die vordere Seite in der gleichen Reihenfolge befestigt wie hinten.
  • Dann habe ich von vorne nach hinten die seitlichen Bänder angetackert und dabei immer den Stoff mit einer Hand angehoben, damit dieser nachdem man ihn fallen lässt das Band verdeckt.
Hinten lässt es sich am besten liegend über Kopf arbeiten, hat gut geklappt!

Tipp: Ich hatte mir einen elektrischen Tacker von Rapid zugelegt. Dieser schoss die Klammern jedoch nur zur Hälfte ins Holz. Ich habe es dann mit meinem altem Handtacker probiert und dieser funktionierte super. Die Klammern habe ich im Anschluss noch mal ein wenig mit dem Hammer eingeschlagen.

Befestigung an der Karosserie
Nachdem ich oben alles anständig angetackert habe, habe zuerst die Aufstelldachmechanik montiert. Ich hatte mir eine neue mit integrierten Gasfedern beim Werk IV anfertigen lassen. Siehe hier.

  • Die Matratzen entfernen, so kommt man besser an die Verschraubung der Schienen heran.
  • Durch anhalten der unteren Gummileiste, bei aufgestelltem Dach überprüfen, ob die Masse des Daches stimmen und der Stoff ein wenig spannt.
  • Wenn alles passt, das Dach etwas nach unten ziehen, damit der Stoff beim anbringen nicht spannt.
  • Ich habe mit den Seitenleisten begonnen und zuerst vorne die beiden Ecken angebracht. Die Gummileiste an den Ecken vorsichtig einkerben, damit man sie besser um die Kurve führen kann. Die Ecken mit beiden Händen an die richtige Position drücken und dann die beide Seiten mit ein paar Schrauben fixieren.
  • Dann die beiden hinteren Ecken genauso anbringen und die Seitenlängen anschrauben.
  • Im Anschluss die Vorder- und Rückseite anbringen.
  • Immer darauf achten, dass die Wulst der Gummileiste ein vor der Leiste verläuft.
Wenn das Dach vernünftig genäht wurde, dann passen auch die Abstände und das Dach hat die richtige Spannung.

Insgesamt hat alles gut geklappt. Das Anbringen in den unteren Ecken ist zwar etwas fummelig, aber das kann man eh nicht vermeiden. Wenn ich den Auwand von damals vergleiche, dann bevorzuge ich die Variante ohne das Dach abzunehmen.
Das Zelt ist passgenau genäht und hat die richtige Spannung im geöffneten Zustand.

Ich finde, das Resultat kann sich sehen lassen und hat auch den ersten Urlaub gut überstanden. In Frankreich waren wir bei über 40 Grad froh, 3 Fenster öffnen zu können.

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